Es hat lange gedauert, bis der Sturm auf die Deutsche-Bank-Aktie (WKN 514000) einsetzte. Aber heute hat die vage formulierte Gewinnwarnung das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Kursverluste von rund 3 Prozent sind zwar keine Katastrophe, aber es hat sich schlicht zu viel angesammelt, als dass der Markt einfach weiter so machen könnte. Man denke nur mal an den gestrigen Steuerfahndereinsatz in Frankfurt bei dem es u.a. um Steuerhinterziehung und Geldwäsche im Bereich des CO2-Emissionshandels in Millionenhöhe geht. Zuvor schon jede Menge kleine und große Skandälchen, die aber an der Großbank folgenlos abprallten (Stichworte: Mögliche Teilnahme an LIBOR-Manipultion, Klagen von Kommunen wegen Finanzinstrumenten). Der Aktie konnte dies bislang nicht schaden, aber die Kosten der Umstrukturierung könnten nun die Anleger nun nachhaltiger verschrecken, als gedacht.

Die heutige hatte es in sich. Vor allem der letzte Satz im vorletzten Absatz: „Die Bank erwartet jedoch, dass diese Sonderposten sich signifikant negativ auf den Gewinn der Bank im 4. Quartal 2012 auswirken werden.“ Unter den erwähnten Sonderposten versteht die Bank u.a. die angekündigten Restrukturierungskosten für die Programme der Bank zur Steigerung der operativen Leistungsfähigkeit und zur Postbank-Integration, negative Effekte aus der Risikoreduzierung sowie Wertanpassungen von bestimmten Vermögenswerten und Aufwendungen im Zusammenhang mit den GTB-Geschäftsaktivitäten in den Niederlanden. Ansich keine neuen Posten, aber dass die negativen Auswirkungen doch nicht so klar überschaubar sind, verwundert dann doch. Dass daher nun die Spekulationen ins Kraut schießen dürfte klar sein. Das Wall Street Journal Deutschland bspw. orakelt: Doch sollte man nicht vorschnell überreagieren, denn laut Deutsche Bank hat man trotz eines anhaltend schwierigen makroökonomischen Umfelds im Oktober und November solide operative Ergebnisse in allen Kerngeschäftsfeldern erreicht. Also scheint nicht alles verloren. Dennoch verwirrt die Bank mit ungenauen Aussagen mehr, als sie aufklärt.

Eine Angst muss man übrigens nicht haben. Aus der Deutschen Bank wird keine zweite Commerzbank (WKN 803200). Erstens entspricht die Integration der Postbank nur zu einem Teil der der Dresdner Bank in die Commerzbank. Operativ sieht es bei der Postbank deutlich besser aus. Zweitens ist eine Staatsbeteiligung so gut wie ausgeschlossen. Drittens ist die Bilanz der Deutschen Bank mit deutlich weniger Problemen als die der Commerzbank behaftet. Und schließlich viertens steht auch die Bewertung an der Börse für eine ganz andere Liga.

Apropos Bewertung. Der Kursverlauf macht zuletzt eher weniger Freude, wie das Chartbild zeigt.


Quelle: boerse.de

Ein Grund kurz auf die Charttechnik zu schauen: Die Seitwärtsbewegung seit Herbst konnte trotz Jahresendrallye im DAX nicht nach oben durchbrochen werden. Ganz im Gegenteil. Nun rutschte der Kurs unter GD 20 und GD 38. Damit ist Vorsicht angesagt. Kursfristig dürfte es also eher nach unten gehen. Kritisch wird es aber erst bei einem Unterschreiten der GD 200, dieser verläuft bei knapp über 31 Euro. Solange sich die Aktie über dieser Markt hält, dürfte der Kurs also weiter in seiner Seitwärtsbewegung verharren. Vor allem solange noch keine tatsächlichen Zahlen in Sachen Einmalbelastungen publik sind. Es bleibt also spannend – auf der Zuschauerposition!

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Torsten
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Schon krass, was da grad bei der Deutschen abgeht. Es weiß zwar keiner, was da jetzt wirklich dran ist. Aber der Imageschaden ist jetzt schon gewaltig und wird auch die Aktien noch lange belasten.

Aber eine zweite Commerzbank wird nicht drohen, sehe ich auch so. Trotzdem, long muss man wohl grad nicht in der Deutschen sein…

Sandro Valecchi
Gast
Sandro Valecchi

Was passiert, wenn das Geschäftsmodell einer Bank keine erstklassigen Kundenbeziehungen generieren kann? Ursprünglich war Jürgen Fitschen als Co-Vorstand angetreten, um für Vertrauen zu werben. Schon als er vor 8 Jahren aus London zurück nach Deutschland berufen wurde, war das sein Auftrag. Vor allem der gute Ruf eines Unternehmens im Top-Segment globaler Finanzdienstleistungen ist gleichermaßen überlebenswichtig für Banken, Versicherungen und Finanzberatungsdienstleister. Glaubwürdigkeit ist essentiell. Und Glaubwürdigkeit ist derzeit das Problem der Deutschen Bank AG. Seit Sommer 2012 managet eine sogenannte Doppelsitze das Finanzunternehmen: Anshu Jain, Investmentbanker, bis 1995 bei Merrill Lynch sowie Jürgen Fitschen, der im Jahr 2001 in den erweiterten… Weiterlesen »

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